Mo
02
Feb
2009
Tintenherz vs. Twilight
Twilight: Bella, Edward und die Cullens
Literatur im Kino - wenn Neugierde mit Enttäuschung bestraft wird
Tintenherz und Twilight – zwei Buchadaptionen, die es zeitgleich auf die große Leinwand geschafft haben. Beide Bücher habe ich gelesen. Beide gemocht, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Klar, dass ich die filmische Umsetzung der beiden Bestseller-Romane sehen musste. Pure Neugierde trieb mich ins Kino. Neugierde, die nur allzu oft mit Enttäuschung bestraft wird.
Als Leser hofft man immer, im Kinosessel noch einmal für kurze Zeit in die faszinierende Geschichte des Buches eintauchen zu können und liebgewordenen Charaktere wieder zu treffen. Meistens ist es aber wie mit alten Freunden, die man auf einen Kaffee trifft, um über vergangene Zeiten zu plaudern: das vertraute Gefühl von früher fehlt.
Genauso ging es mir bei Tintenherz. Eine schillernde Geschichte, die auf der Leinwand zu einem schmutzigen Spiegelbild verblasst ist. Der filmische Auftakt zu Cornelia Funkes grandioser Tintenwelt-Trilogie hat sich so stark von seiner Buchvorlage emanzipiert, dass jeglicher Charme dabei verloren ging. Warum, fragt man sich, wohnt Bösewicht Capricorn in einer Burg anstatt – wie im Buch vorgesehen – in einer alten Kirche mit blutroten Wänden Hof zu halten? Warum liest Maggi einen Hund aus dem Buch heraus und nicht Peter Pans Tinkerbell und den tapferen kleinen Zinnsoldaten?
Erbsenzählerei mag manch einer denken.
Das ist es aber nicht, wenn mit den liebenswerten Details auch Gefühl und Atmosphäre der Geschichte auf der Strecke bleiben. Daran ändert auch eine Horde von computeranimierten Fabelwesen nichts, die den Schauwert erhöhen soll.
Ganz anders Twilight. Zwar beklagen sich auch hier pedantische Fans darüber, dass das Sofa in Edwards Zimmer weiß statt schwarz wie in der Buchvorlage ist – doch im Unterschied zu Tintenherz stimmt hier das Gefühl, das man im Kino hat mit dem überein, das man beim ersten Lesen hatte.
Über mangelnde Details kann man hinwegsehen, aber nur dann, wenn sie nicht zur Grundstimmung der gesamten Geschichte beitragen. Regisseurin Catherine Hardwicke hat das erkannt und die Atmosphäre der Geschichte perfekt vom Buch auf den Film übertragen. Eine Leistung, die nur den Wenigsten gelingt. Selbst wenn die Buchautorinnen bei der Filmproduktion kräftig mitmischen (sowohl Cornelia Funke als auch Stephenie Meyer waren an den filmischen Umsetzungen ihrer Romane beteiligt).
Links zum Thema:
www.twilightthemovie.com - offizielle Filmseite von Twilight mit Trailer
www.stepheniemeyer.com - Homepage der Twilight-Autorin
www.corneliafunke.de - Homepage der Tintenherz-Autorin
www.inkheartmovie.com - offizielle Filmseite von Tintenherz mit Trailer

